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Lehrer dürfen Schüler mit Stockhieben züchtigen

In den USA schon bei kleinen Vergehen üblich

 

Nicht ohne Stolz berichtete im Jahre 2005 der Schulleiter eines Fuldaer Gymnasiums von der eigenen Schülerzeit, als ihn seine Lehrer mit Prügel bestraften und ihm „dies auch nicht geschadet hätte”. Mit bedauerndem Gesichtsausdruck bekräftigte er, unsere heutigen Gesetze seien schuld, daß der Rohrstock als wirksames Zuchtmittel keine Verwendung mehr findet.

Dieser Schulleiter – er wurde glücklicherweise in die ­vorzeitige Pension verabschiedet – wäre besser frühzeitig in die USA ­ausgewandert. Hier hätte er seiner Neigung zumindest an den staatlichen Schulen bis heute ungestraft nachgehen und schon bei kleinen Vergehen (unerlaubtes Sprechen, ­Kaugummikauen, ­Küssen, Mißachtung der Kleiderordnung) auf die Schüler ­einprügeln können. Anlaß bietet jegliche Form von Ungehorsam (disobedient behaviour).

In 21 Bundesstaaten der USA ist den Lehrern die körperliche Züchtigung von Schülern erlaubt – und es wird kräftig Gebrauch davon gemacht. Besonders berüchtigt sind Texas, Mississippi und Alabama. Die dortigen Lehrer bevorzugen das Schlagen mit Holzpaddeln (in Tennisschläger-Größe) aufs Gesäß – nach einer Studie der Menschenrechtsorganisationen Human Rights Watch und American Civil Liberties Union (2007/08) oft bis an die Grenze einer ­gefährlichen Verletzung. Jungen wurden ­dreimal häufiger ­geschlagen als Mädchen, schwarze und indianische Kinder häufiger als weiße – obwohl hier jeweils keine größere Zahl der ­Disziplinverstöße nachzuweisen war. Prügelstrafen bekommen schon die Vorschulkinder (ab 3 Jahre) und mit einer überdurchschnittlichen Häufigkeit auch Schüler mit geistigen und ­körperlichen Behinderungen.

So erziehen Lehrer die Kinder schon in der Schule zu gewalt­tätigem Verhalten. Eltern sind dagegen machtlos: Proteste haben keine Chance bei Polizei oder Justiz, denn prügelnde Lehrer ­genießen in den betreffenden Bundesstaaten Immunität und ­brauchen keine Rechenschaft abzulegen. Und die Gesellschaft wundert sich, wenn die Gewalt dann auch im späteren Leben der heutigen ­Kinder und Jugendlichen als Mittel zur Problemlösung und ­Bestrafung bevorzugt wird.

Der zunehmenden Gewalt versucht der Staat mit Gegengewalt zu begegnen. Ab Sept. 2008 dürften Lehrer in Texas mit dem Colt am Gürtel zur Schule erscheinen, um Amokläufer frühzeitig erschießen zu können. Daß schon im Verdachtsmoment sofort geschossen werden darf, ist gesetzlich festgelegt. Die Gewaltbilanz – Liste der bisherigen Amokläufe  an amerikanischen Schulen – ist lang.

 

Quellen

„200.000 Kinder kriegen Stockhiebe” (TAZ, 21.8.08);
„USA: Lehrer züchtigen Schüler mit Stöcken” (Focus, 21.8.08);
„200.000 US-Schüler werden geschlagen” (Spiegel-Online, 22.8.08);
„Modernes Texas: Bewaffnete Lehrer sollen Amokläufer er­schießen” (NilsOle.net, 23.8.08).